Die akademische Lehrtätigkeit des Instituts vollzog sich als Fach- und Spezialausbildung im Direkt- und Fernstudium in den Fachrichtungen Industrieökonomie, Volkswirtschaft und Betriebswirtschaft der HfÖ.
Die Fachausbildung Materialwirtschaft und Logistik war obligatorischer Bestandteil der viersemestrigen Grundlagenausbildung (wechselnd) in den Fachrichtungen Volkswirtschaft und Betriebswirtschaft der Hochschule für Ökonomie Berlin. Demgegenüber erfolgte die Spezialausbildung zu diesem Lehrgebiet als wahl-obligatorische Ausbildung über vier bis sechs Semester und endete mit dem Diplom. Sie war geprägt durch einen einheitlichen Lehrplan für Vorlesungen und Seminare, eine intensive Forschungszirkelarbeit als eine Organisationsform studentischer Forschung unter Anleitung von Hochschullehrern und wissenschaftlichen Mitarbeitern des Instituts sowie die Absolvierung eines dreimonatigen Praktikums in Wirtschaftsunternehmen.
Die studentischen Forschungsthemen und damit die inhaltliche Gestaltung der Zirkelarbeit leitete sich in der Regel aus der Forschungsplanung des Instituts ab.
Die Ergebnisse der Forschungszirkel schlugen sich in den wissenschaftlichen Hausarbeiten und Diplomarbeiten der Studierenden nieder. Zugleich waren sie bei entsprechend hoher Qualität auch Arbeits- und öffentlicher Präsentationsgegenstand der durch den Jugendverband der DDR (Freie Deutsche Jugend/FDJ) und durch die Hochschulleitung vergebenen "Jugendobjekte" sowie von Projekten der "Messe der Meister von Morgen (MMM)".
Herausragende Ergebnisse der studentischen Forschung wurden in Forschungsinformationen und Monographien des Instituts ausgewiesen sowie für die weiterführende Projektarbeit und Lehre (z.B. Fallspiele) genutzt.
Umfassende Lehrverpflichtungen des Instituts zu Grundlagen- und Spezialgebieten der Materialwirtschaft und Logistik wurden an anderen Hochschuleinrichtungen, z.B. an der Handelshochschule Leipzig und der Universität Rostock verwirklicht.
Auch an ausländischen Hochschulen, wie dem Institut für Volkswirtschaft " G.W. Plechanow" in Moskau, der Wirtschafts-Universität Budapest, der Universität Maputo und dem Institute de la Planification et de la Statistique Algier waren Hochschullehrer und Mitarbeiter/-innen des Instituts tätig.
In dem Zeitraum 1957 bis 1991 wurden kontinuierlich viersemestrige Studiengänge des postgradualen Studiums der Materialwirtschaft und Logistik durchgeführt. Teilnehmer dieser akademischen Studienform waren graduierte Ökonomen, Ingenieure und Ingenieur-Ökonomen sowie Absolventen anderer Hoch-und Fachschul-Fachrichtungen (z.B. Informatik, Mathematik, Naturwissenschaften), soweit diese bereits in der Materialwirtschaft oder in logistischen Arbeitsgebieten tätig waren bzw. ein solcher Einsatz vorgesehen wurde.
Zu den Leistungsmerkmalen des Instituts gehörte die kontinuierliche Aus- und Fortbildung von Wirtschaftspraktikern.
Als Hochschulinstitut wurde diese Aufgabenstellung mit differenzierter inhaltlicher Schwerpunktbildung und unterschiedlichen Kooperationsformen für Fachschulen, Wirtschaftszweig-, Kombinats- und Betriebsakademien sowie anderen Bildungseinrichtungen der Wirtschaft realisiert- oft als "Vor Ort - Veranstaltungen"- z.B. im Rahmen partnerschaftlicher Beziehungen mit Ministerien, Betrieben sowie weiteren gesellschaftlichen Institutionen (Kammer der Technik, URANIA u.a.).
Mit dem Wechsel in die Wirtschaftspraxis erhöhten sich Umfang und Stellenwert der Aus- und Weiterbildungsaufgaben für Unternehmen und wirtschaftsnahe Bildungseinrichtungen.
Umfang und Bedeutung der akademischen Lehrarbeit konzentrierten sich auf Lehrbeauftragungen, insbesondere für die Lehrgebiete Logistik und
Produktionswirtschaft (z.B. FHTW Berlin) sowie Gastvorlesungen und Foren (z.B. TU Berlin).
Das Institut wurde nach der gesellschaftlichen Wende zu einem Mitgestalter der Aus- und Weiterbildungsoffensive für im Arbeitsprozess tätige und arbeitslose Materialwirtschaftler in den neuen Bundesländern.
Von 1992 bis 2001 wurden fortlaufend ganztägige Ein-Jahres-Lehrgänge für arbeitslose Ingenieure, Wirtschaftsingenieure (Ing.-Ökonomen) und Ökonomen (Aufnahmemöglichkeit: bis 45 Lebensjahre) mit dem Ziel eines zertifizierten Abschlusses als "Betriebswirt für Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik" realisiert. Mit dieser Fortbildung wurden die Anstrengungen arbeitsloser, akademisch Ausgebildeter zum Wiedereintritt auf den ersten Arbeitsmarkt erfolgreich unterstützt.
Weitere umfangreiche Weiterbildungsmaßnahmen wurden in Kooperation mit solchen Institutionen verwirklicht, wie dem
Rationalisierungskuratorium der deutschen Wirtschaft (RKW), insbesondere RKW-Sachsen (z.B. Vorlesungen und Seminare zur Reorganisation der Materialwirtschaft, zu Inventursystemen und zum Bestandsmanagement), den Industrie- und Handelskammern, vor allem IHK Potsdam, Rostock und Berlin (z.B. zur Fortbildung zum Fachkaufmann/zur Fachkauffrau Einkauf/Materialwirtschaft bzw. Einkauf/Logistik), dem Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik mit seiner BME-Akademie (z.B. Fortbildungsseminare zur Logistik), der Akademie der mittelständischen Wirtschaft beim BVMW (z.B. Erarbeitung und Durchsetzung von Weiterbildungskonzepten/-programmen), der Deutschen Gesellschaft für Logistik (z.B. Seminare und Workshops zur Logistik in der mittelständischen
Wirtschaft und zur Organisation der Materialwirtschaft) und dem Haus der Technik, Essen (Außeninstitut der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen), Außenstelle Berlin (Vorlesungen und Seminare zum Bestandsmanagement, Lean-Management in der Materialwirtschaft, zur Organisation von Einkauf und Logistik sowie beschaffungsstrategischen Arbeit).
Eine Vielzahl von Weiterbildungsaufgaben, vor allem in Form von Seminaren, Workshops und arbeitsplatzbezogener Qualifizierung, wurden als Bestandteil von Beratungsprojekten der SOFTWARE UNION und der SYSECA GmbH erfüllt. Dieses Erfordernis war auch für internationale Beratungsprojekte gegeben. So wurden beispielsweise in Abstimmung mit der Immanuel Kant-Universität Aus- und Weiterbildungsveranstaltungen (u.a. zum Inhalt und Aufbau von Logistik-Systemen und zur Beschaffungsmarktforschung) im Deutsch-Russischen Haus in Kaliningrad/Königsberg durchgeführt. Eine dreiwöchige Vorlesungsreihe zu Grundlagen von Einkauf und Logistik erfolgte an der Kaliningrader Hochschule für Verwaltung.
Für die Hochschule für Ökonomie in Ternopil (Ukraine) wurde das Konzept zur Implementierung eines Lehrstuhls "Logistik" erarbeitet und seine Umsetzung begleitend unterstützt.
Akademische Lehre sowie Aus- und Fortbildungsaufgaben vollzogen sich im Rahmen folgender Lehrgebiete, die je nach Bedarf baukastenartig zu Lehr- bzw. Ausbildungsblöcken zusammengestellt wurden:
1. Grundlagen der Materialwirtschaft und Logistik
(u.a. Inhaltsgegenstand, Objekte, Funktionen; historische Entwicklung und perspektivische Entwicklungstrends; Institutionen der Materialwirtschaft
und Logistik; Berufsbilder)
2. Rohstoffwirtschaft
(u.a. Begriffsbestimmungen; Zusammenhänge zur Materialwirtschaft; Rohstoffbasis und Klassifizierung der Rohstoffe; Erkundung, Gewinnung und Nutzung
von Primärrohstoffen, Vorratshaltedauer-Werte und ihre Einflussfaktoren; Planung und Steuerungsmöglichkeiten des Rohstoffbedarfs und seiner Deckung)
3. Sekundärrohstoffwirtschaft
(u.a. Inhalt, Objekte und ihre Klassifizierung; internes und externes Recycling sowie Einkauf von Entsorgungsleistungen; Gestaltung von
volkswirtschaftlichen und betrieblichen Erfassungs- und Entsorgungssystemen; Sekundärrohstoffplanung und -bilanzierung;
Abfallgesetze in Bund und Ländern)
4. Ökonomische Materialverwendung
(u.a. Begriffsbestimmung; Hauptwege zur Senkung des spezifischen Material- und Energieverbrauchs; Einflussfaktoren auf den Materialverbrauch,
insbesondere technische Innovationen; Materialsubstitutionen, Materialstandardisierung, Qualitätsmanagement/TQM; Materialverbrauchsanalysen
und Planung der ökonomischen Materialverwendung; materielle Stimulierung und Kennziffernsysteme, wertanalytische Arbeit )
5. Vorrats- und Reservewirtschaft
(u.a. Begriffsbestimmungen, Funktionen und Aufgaben; volkswirtschaftliche Vorratsproportionierung und betriebliche Optimierung der Vorräte;
Bestandsmanagement, Bestandscontrolling; Inventursysteme und Bestandsbewertung; Leitung, Planung, Organisation und Finanzierung von Materialreserven)
6. Aufbau- und Ablauforganisation der Materialwirtschaft und Logistik
(u.a. Organisationssysteme, Verfahren der Arbeitsanalyse, Organisationsmittel und Dateien; Nummerungssysteme; Stellenbeschreibungen, Checklisten,
Organisations-Handbücher)
7. Materialbilanzierung (1)
(u.a. Bilanzierung als Hauptmethode zentraler staatlicher Planung; Bilanzverantwortung, Bilanzpyramide; Bilanzierungsprozess, Bilanzkennziffern; Material,-
Ausrüstungs- und Konsumgüterbilanzen, Verflechtungsbilanzen)
8. Beschaffungsmarketing
(u.a. Marktbegriffe, Marktfunktionen und -formen, Markteinflussfaktoren und Marktpotentiale; Wesensmerkmale und Objekte des Beschaffungsmarketing;
Marktbeobachtung ,-analyse und -prognose; Frühaufklärungs-und Frühwarnsysteme; Produktforschung, Marktstrukturanalysen, Analyse der
Marktentwicklung,
Lieferantenanalyse und -bewertung sowie Preisforschung)
9. Einkaufspolitik und strategischer Einkauf
(u.a. Beschaffungsprogramm-, Lieferanten-, Kontrakt- und Lagerpolitik; neue Bezugsmöglichkeiten, Beschaffungs- und Bereitstellungsprinzipien;
strategische Handlungsweisen, Sourcing-Strategien, Make or Buy und Outsourcing; Global Sourcing; Materialgruppenmanagement
und C-Artikel-Management)
10. Einkaufsdurchführung und Einkaufsrecht
(u.a. Inhalt und Phasen des Bestellvorgangs; Anfragetätigkeit und Angebotsprüfung, Vergabeverhandlung; Liefer- und Zahlungsbedingungen,
Arbeit mit Preisklauseln; Vertragsarten und –abschluss, Leistungsstörungen, Gewährleistung, Allgemeine Geschäftsbedingungen, Incoterms)
11. Betriebliche Materialversorgung
(u.a. Inhaltsgegenstand, Aufbau- und Ablauforganisation, programm- und verbrauchsorientierte Bedarfsermittlung; Stücklistenerstellung und -anwendung;
stochastische Bedarfsvorhersagen, auftragsgesteuerte und plangesteuerte Disposition; Bestellmengenrechnung; Bestellpunkt-/Bestellrhythmus-Verfahren)
12. Erzeugnisabsatz und Produktionsmittelhandel (2)
(u.a. Erzeugnisabsatz und seine Beziehung zur Materialwirtschaft, Gestaltung des zwischenbetrieblichen Materialflusses, absatzseitige Markt- und
Bedarfsforschung sowie Bedarfsplanung; Absatzdurchführung; Funktion und Aufgaben des Produktionsmittelhandels; Geschäftsarten- und
Leistungsartenstruktur; Organisation des Produktionsmittelhandels; Leistungsplanung und -bewertung, materielle Stimulierung und Controlling der
Handelstätigkeit; Supply Chain und Produktionsmittelhandel; Ersatzteilwirtschaft und Kundendienst)
13. Lager- und Verpackungswirtschaft
(u.a. Stellung und Aufgaben der Lagerwirtschaft, Verflechtung von Lagerwirtschaft und Gütertransport; Funktionen und Arten der Lager, Lagertechnologien,
Lagernetzgestaltung; Prozessorganisation in der Lagerwirtschaft; Funktionen der Verpackung, Verpackungshilfsmittel, Verpackungswerkstoffe; Erfassung,
Lagerung und Rückführung der Verpackung; Entwicklungstendenzen auf den Gebieten der Lager-und Verpackungswirtschaft; Versand und
Ladungssicherung; Gefahrgut - gesetzliche Grundlagen)
14. Materiallogistik und Materialflußsteuerung
(u.a. Inhaltsgegenstand der Materiallogistik; Materialflussanalyse und -planung; logistische Prinzipien der Planung und Steuerung, Steuerung mittels
PPS-Systemen- Manufacturing Resource Planning, belastungsorientierte Auftragsfreigabe/BOA, Optimized Production Technologie/OPT,
Fortschrittszahlensytem/FZS; Vorbereitung und Durchsetzung von KANBAN-Systemen, Just in Time- Steuerung von inner- und
zwischenbetrieblichen Materialflüssen)
15. Supply Chain Management
(u.a. Qualitativer Wandel in der zwischenbetrieblichen Kooperation, Partnership Sourcing; Supply Management, Supplier Relationship Management-SRM,
Supply Chain Management-SCM; inhaltlich-methodische Grundlagen des SCM, Lieferantentypologie und -klassifizierung, Realisierungsabläufe,
Arbeitsinhalte und -instrumente, elektronische Vernetzung von Lieferanten-, Produktions- und Kunden-Beziehungen/Software-Entwicklungen;
Optimierung von Versorgungsketten mittels ECR-Konzepten, insbesondere des Continuous Replenishment Program-CRP und Category Management)
16. E-Business und Integrierte Materialwirtschaft
(E-business/e-commerce/e-sourcing/e-procurement; Instrumente des e-sourcing und e-procurement; Katalog-Entwicklung; Lieferanten-Datenbanken,
Ausschreibungen und Auktionen, virtuelle Märkte und Auktionsplattformen; Direct-/Desktop- Purchasing, Purchasing Card-Systeme)
17. Materialwirtschafts- und Logistik-Controlling
(u.a. Ziel- und Aufgabenstellung; Kennzahlenanwendung, materialwirtschaftlicher und logistischer Erfolgsnachweis; Leistungs- und Ergebnisrechnung,
Wirtschaftlichkeitsbewertungen; strategische Planungen, Kontrollen, Abweichungsanalysen; Benchmarking; organisatorische Einordnung).
(1)
Hauptmethode zentraler staatlicher Leitung zur Sicherung der Übereinstimmung von Aufkommen und Verwendung der Erzeugnisse mit dem Ziel einer
bedarfsgerechten, proportionalen Entwicklung der Volkswirtschaft.
(2)
Produktionsgüterhandel |